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Update im Online-Marketing Recht | Teil 4

Teil 4: Zur Zulässigkeit von Bewertungsportalen als Werbeinstrument, Zahlungsabwicklung bei Internetplattform als unzulässiger Zahlungsdienst?

Gastbeitrag von Rechtsanwalt Dr. Marc Laukemann

Dr. Marc Laukemann

Abschließen möchte ich meine Überblickserie über Rechtsentwicklungen im Onlinemarketing mit der Rechtsentwicklung bei Bewertungsportalen sowie dem Lieferheld-Urteil des LG Köln. Die vorangegangenen Artikel finden Sie Teil 1 hier, Teil 2 hier und Teil 3 hier.

VII. Bewertungsportale

Online-Bewertungsportale erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und werden auch immer professioneller geführt. Zu Beginn hat man in allseits bekannten Portalen den dort „super günstig“ gebuchten Urlaub bewertet. Mit der Zeit jedoch haben auch andere Branchen den Vorteil von Bewertungsportalen erkannt. Sie geben dem Nutzer das Gefühl sich unbeeinflusst informieren zu können und infolge dessen zu handeln.

Natürlich ist das in den meisten Fällen ein absoluter Trugschluss. Neben den Portalen, die von unabhängigen Dritten zu diversen Themen mit unabhängigen Erfahrungsberichten gefüllt sind, drängen große gewerbliche Portale immer aggressiver auf den Markt, die dem Kunden suggerieren, unabhängige Bewertungen zu sammeln und darauf seine Angebote abzustimmen.

1. Zulässigkeit von Hotelrankings nach Kundenbewertungen?

Ein schönes Beispiel hierfür hatte das Landgerichts Berlin am 25.08.2011 zu entschieden. Dem bekannten Hotelbuchungsportal booking.com musste durch Beschluss untersagt werden bessere Rankingstellen im Sucherergebnis an zahlende Hotelinhaber zu vergeben.

2. Verbot, Rabatte und Gutscheine im Vorfeld von Kundenbewertungen

Das Oberlandesgericht Hamm (Urteil vom 23.11.2010, Az.: I-4 U 136/10) verbot einem Onlinehändler doch tatsächlich sich die positiven Bewertungen durch einen Newsletter zu „erkaufen“. Dieser bot den Kunden, die bei ihm etwas bestellt hatten im Nachhinein einen Rabatt von 10% bis 25% auf die bereits gekauften Waren an, wenn der Kunde auf dem dafür eingerichteten Portal positive Bewertungen abgibt. Es ist nicht ganz so verwunderlich, dass die Richter hierin eine Verfälschung des Wettbewerbs sahen.

3. Kritische Restaurantbewertungen im Internet

Das Amtsgericht Hamburg (Urteil v. 18.08.2011 – Az.: 35a C 148/11) musste in diesem Verfahren einen Kritiker schützen. Ein Internetuser hatte sich tatsächlich erdreistet in einem Portal einen durchwachsenen Erfahrungsbericht über den Besuch eines Restaurants zu schreiben. Das Portal wurde folglich auf Löschung dieser Erfahrung verklagt, da dieser Erfahrungsbericht unzumutbare Schmähkritik sei (unter anderem wurde geschrieben: “Die Stühle sind für korpulentere Leute etwas schmal” oder “Die Speisekarte ist üblich”). Das Gericht entschied jedoch, dass diese Äußerungen keine Schmähkritik seien, sondern nur eine subjektiv wahrgenommene Erfahrung, welche auch veröffentlicht werden dürfe.

4. Vorabprüfungspflichten für Webseitenbetreiber bei Veröffentlichung von Kundenbewertungen?

Natürlich herrscht auf den Portalen kein rechtsfreier Raum in Hinsicht auf den Inhalt der Bewertungen. So musste das Landgericht Hamburg mit Urteil v. 01.09.2011 ( Az.: 327 O 607/10) feststellen, dass der Betreiber eines Portals für veröffentliche unwahre Tatsachen verantwortlich ist, wenn die Bewertungen erst durch vorherige Überprüfung manuell freigeschaltet werden. Diese Aussage wird durch den Beschluss des Kammergerichts Berlin ausgehöhlt. Dieses teilte die Ansicht des Landgerichts Berlin (Urteil vom 21.10.2010, Az.: 52 O 229/10) im Berufungsverfahren, dass der Betreiber eines Bewertungsportals eben keine Vorabprüfungspflicht für die Richtigkeit der Bewertungen besteht und dementsprechend kein Löschungsanspruch besteht.

Fazit zur aktuellen Rechtssprechung bei Onlineportalen: Bloß niemals manuell Bewertungen auf das Portal einsetzen, sondern immer schön alles automatisch einsetzen lassen.

5. Hat der Nutzer, der Onlinebewertungen abgibt, das Recht anonym zu bleiben?

Eine gute Nachricht gibt es jedoch für den Nutzer von Bewertungsplattformen. Er hat das Recht bei einer Bewertung anonym zu bleiben. Ein Internetuser hatte die Behandlung eines Arztes auf einer einschlägigen Plattform bewertet.

Dem betroffenen Arzt passte die Kritik seiner Behandlung jedoch gar nicht und er begehrte die Löschung der Bewertung sowie die Auskunft über die beim Forenbetreiber hinterlegten Nutzerdaten. Das Oberlandesgericht Hamm hat nun im Berufungsverfahren zu Recht den Beschluss erlassen, dass es für einen derartigen Auskunftsanspruch (Gott sei Dank [Anm. d. Verf.]) an einer Anspruchsgrundlage fehle. Auch die Löschung der Bewertung wurde nicht angeordnet, da die Bewertung noch nicht die Grenze zur Schmähkritik überschritten hatte, sondern von der Meinungsfreiheit gedeckt war. Das Oberlandesgericht Köln verwies jedoch mit seinem Urteil vom 30.05.2011, (Az.: 15 U 194/10) auch die Bewertenden in ihre Schranken. In diesem Fall musste die Kritik eines Gourmetrestaurants, welche auf einem einzigen Besuch gründete, zurückgenommen werden. Der Beklagte war in diesem Fall der Herausgeber eines Gourmetführers. Das Gericht stellte jedoch klar, dass es sich bei diesem Urteil um eine Ausnahme handle. Generell sind die vorgenommenen Bewertungen von der Meinungsfreiheit umfasst. In diesem vorliegenden Fall hatte die Bewertung allerdings das Potenzial als Schmähkritik eingeschätzt zu werden und war somit berufsschädigend.

Fazit: Durch die steigende Anzahl an Bewertungsportalen und Möglichkeiten zu Bewertungen auf gewerblichen Webseiten wird die Rechtsprechung besonders in diesem Bereich in den kommenden Jahren einiges zu tun haben.

VIII. Online-Pizzadienste als Zahlungsinstitute

Eine wirklich wegweisende Entscheidung des Landgerichts Köln noch zum Schluss. Im Fall „lieferheld.de“ entschied das Gericht, dass das online Zahlungsangebot eingestellt werden muss.

Ursache des Streits ist ein heftiger Konkurrenzkampf zwischen pizza.de und dem Unternehmen lieferheld.de. Nachdem sich die beiden Unternehmen bereits mehrfach kleinere gerichtliche Auseinandersetzungen geliefert hatten, behauptete die Klägerin pizza.de diesmal, dass die Beklagte eine BaFin Lizenz für das Online Zahlungsangebot auf ihrer Webseite brauche.

Lieferheld.de bot die Vermittlung von Essensbestellungen über ihr Internetportal an. Für die Bezahlung unterhielt Lieferheld.de Verträge mit verschiedenen Online-Zahlungsdiensten, insbesondere PayPal, Sofortüberweisung.de und Kreditkartenzahlungen. Die Zahlung des Kunden – und dies ist der wesentliche Punkt – war unmittelbar an Lieferheld.de zu leisten. Monatlich rechnete Lieferheld.de mit den Lieferanten des Essens ab.

Dies sahen die Richter des Landgerichts ebenso. Sie stellten einen Wettbewerbsverstoß seitens der Beklagten nach § 4 Nr. 11 UWG fest. Der Verstoß gründe darauf, dass die Beklagte die Zahlungsart „PayPal“ auf der Webseite anbot und die erwirtschaftete Summe monatlich mit den jeweiligen Lieferanten abrechnete. Aufgrund dieser Tatsache stufte das Gericht die Beklagte als Zahlungsinstitut nach § 1 Abs. 1 Nr. 5 ZAG ein. Dementsprechend brauche die Beklagte für das Angebot ihres Zahlungsdienstes eine BaFin Lizenz nach § 8 Abs. 1 ZAG.
Gegen dieses Urteil hat lieferheld.de natürlich Berufung eingelegt.

Fazit: Die Tragweite des Urteils des Landgerichts ist vielen noch nicht klar. Gerade PayPal ist bei vielen Online-Shops als Zahlungsmittel sehr beliebt. Sollte sich diese Rechtsprechung durchsetzen müssten sich alle großen Anbieter wie opodo oder expedia oder amazon, wie auch diverse Händler bei ebay, die dort einen eigenen Onlineshop betreiben eine BaFin Lizenz beantragen, sofern sie noch keine haben. All diese Unternehmen würden dann ebenso wie die Banken unter Aufsicht einer Bundesanstalt stehen.

Wie immer auch an dieser Stelle: es bleibt spannend.

Der Autor ist Rechtsanwalt, u.a. Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit dem Glückspielrecht in Deutschland (www.wir-beraten-unternehmer.de)

3 Comments on "Update im Online-Marketing Recht | Teil 4"

  1. Konrad sagt:

    Was mich wundert: Lieferheld, Pizza.de und Co bieten doch auch weiterhin Zahlung via PayPal etc. an. Dienste wie Sedo machen das ja auch schon ewig. Ist das Urteil noch nicht gültig? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sedo bzw. auch Pizza.de eine Bafin Lizenz haben. Gerade Sedo dürfte auf jeden Fall eine benötigen, da dort die Zahlungsabwicklung (Treuhandservice) klarer Bestandteil des Geschäftsmodells ist und auch separat berechnet wird.

  2. Laukemann sagt:

    Das Urteil enthält in der Tat so große Sprengkarft für viele andere Shops einschließlich Amazon und ebay, dass man sicherlich zunächst die Berufung abwarten sollte. Eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Köln steht immer noch aus.
    Betroffen sind meines Erachtens alle Firmen, die Zahlungen entgegennehmen, aber die Leistung bzw. Lieferung nicht selbst erbringen und die Gelder auf entsprechenden Sammelkonten lagern.

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