Marcus Tandler | Mediadonis | Just another Online-Marketing Superhero
 

Trafficgenerierung durch YouTube-Videos

Gast-Artikel von Kai Renz

Hi, ich bin Kai Renz und beschäftige mich seit einigen Jahren mit der Erstellung und Vermarktung von Online-Videos. In dem Artikel geht es um die Frage, ob sich ein YouTube-Video zur Trafficgenerierung für die eigene Homepage wirklich lohnt ? Als Beispiel nehme ich mal ein Hobby-/ Urlaubsprojekt (sorry, wenn ich hier kein kommerzielles Projekt von mir ausschlachte) – aber ich werde auch ein paar konkrete Zahlen nennen, an denen das Thema ganz gut veranschaulicht wird.

Das Gleitschirm- Video

Es geht um das folgende Gleitschirm-Video: Gefilmt im Urlaub mit einer einfachen GoPro-Kamera (für 350.-€) – dann an einem Nachmittag zusammengeschnitten. Also recht einfach und schnell produziert. Hier das Video:

Zu dem Video habe ich ein kurzes Tutorial auf meiner Webseite erstellt, indem erklärt wird, wie die einzelnen Einstellungen gefilmt wurden. Im YouTube-Video blende ich dann ein Hinweis auf das Tutorial ein und in der Beschreibung unter dem Video ist der Artikel verlinkt.

Die Ergebnisse des Videos nach knapp 12 Monaten:

  • Gesamt-Video-Views: ca. 81.000 (nach ca. 12 Monaten)
  • Neue Video-Views/Monat: ~8.000 – 10.000
  • Klickrate zum Tutorial (über den Link in der Video-Beschreibung): ca. 4%
  • Webseiten-Besucher: ~3.300 (nach 12 Monaten)
  • Webseiten-Besucher pro Monat: ~350…400

Im folgenden beschreibe ich, welche Analysen und Aktionen ich im Vorfeld und beim Launch des Videos gemacht habe und werde dabei verraten, wieviel man als YouTube-Werbepartner an so einem Video verdienen kann und welche weiteren Möglichkeiten der Monetarisierung es gibt.

1. Die YouTube-Keyword-Analyse

Wie auch bei einem SEO-Projekt versucht man zuerst, mit einer Keyword-Recherche die trafficstarken Keywords zu finden. Inzwischen gibt es ein YouTube-Keyword-Tool (ähnlich dem Google-Keyword-Tool), mit dem man Keyword-Ideen generieren und außerdem eine Zahl für das „monatliche Suchvolumen“ einsehen kann.
Zusätzlich zu den Keywords sollte man auch die Top-Videos seiner Zielgruppe auf YouTube suchen. Denn den meisten Video-Traffic erhält man bei YouTube oft durch andere erfolgreiche YouTube-Videos, bei denen man auf der rechten Seite in den Vorschlägen gelistet wird.

In der Statistik meines Gleitschirm-Videos sieht man z.B. sehr schön, durch welche Links der Traffic generiert wird:

Die drei wichtigsten Traffic-Quellen sind also:

  • 35 % durch „Ähnliche Videos“ (d.h. die Video-Empfehlungen auf der rechten Seite)
  • 29,5 % durch das „Vorgestellte Video“ (das steht dann auf dem 1. Platz bei den Video-Empfehlungen auf der rechten Seite und ist grau hinterlegt)
  • 12,6 % durch die YouTube-Suche

D.h. der Großteil des Traffics wird durch andere erfolgreiche Videos und die YouTube-Suche generiert. (Das Video steht z.B. für das Hauptkeyword „Paragliding“ auf Platz 2).
Vielleicht noch ein Wort zum Thema „Videos in den Google-Suchergebnissen“: Das Video wird zwar auch für einige Keywords in der Google-Suche gut gerankt, aber sorgt mit den 0,63 % nur für einen geringen Anteil des Traffics. Daher versucht man im ersten Analyse-Schritt herauszufinden:

1.) Welches sind die erfolgreichsten Videos zu meinem Thema und wieviel Views haben diese ?
2.) Haben diese Videos auch einen konstanten Anstieg an Views – oder war es nur ein Hype-Video, dass inzwischen nur noch wenige Views erhält ?
3.) Welche Keywords werden in diesen Videos verwendet ?
4.) Welches sind die trafficstärksten Keywords, die am häufigsten gesucht werden ?

Die Analyse der View-Zahlen bei YouTube:

Bei der Analyse von YouTube-Videos ist es ganz nett, dass man oft jede Menge Traffic-Informationen (der Konkurrenz) zur Verfügung gestellt bekommt:

  • Die absoluten View-Zahlen zeigen recht schön, wie trafficstark ein Video bisher war.
  • Fast wichtiger ist aber der „Traffic-Trend“ des Videos. Man kann diesen Trend (meistens) unter dem Video öffentlich einsehen (der Kanalbetreiber kann dies deaktivieren – siehe in diesem Artikel allerdings machen das die wenigsten)

Wie man in der Grafik (für mein Gleitschirm-Video) sehen kann, ist die View-Entwicklung (mit 8.000 – 10.000 Views/Monat) recht konstant ansteigend.

Hier ein anderes Beispiel:

Dieses Video hat zwar wesentlich mehr Gesamt-Views. Aber am zeitlichen Verlauf sieht man, dass am Anfang innerhalb weniger Wochen ein starker Anstieg der Views war – aber dann (seit fast 2 Jahren) nur noch ein geringer Traffic-Anstieg zu sehen ist.

Allerdings sollte man auch immer die Skalierung (der absoluten View-Zahlen) in dieser Grafik beachten. Ein „flacher Anstieg“ kann bei einem Video mit Millionen Views immer noch mehr Traffic sein, als ein „starker Anstieg“ bei einem Video mit nur tausend Views.

Je mehr Videos man zu seinem Ziel-Thema findet, die einen konstanten Traffic-Anstieg auf hohem Niveau haben, desto besser ist es für das eigene Video. Denn genau bei diesen Videos möchte man später in den Empfehlungs-Listen auftauchen, so dass das eigene Video konstant mit neuen Views „gefüttert“ wird.

Die Suche kann man manuell machen oder ein Script verwenden, das einem die manuelle Arbeit abnimmt. Die YouTube-API stellt einem jede Menge Befehle zur Analyse und Auswertung zur Verfügung.

2. Der Video-Content und die „Publikumsbeachtung“

Bevor wir zum „Launch des Videos“ kommen, noch einige Bemerkungen zum Inhalt des Videos. Wenn das Video „schlecht“ ist und die Zielgruppe nicht anspricht, ist meist jede Mühe umsonst, dass Video durch irgendwelche Optimierungsversuche „erfolgreich“ machen zu wollen. Genau wie bei den Google-Suchergebnissen, möchte YouTube seinen Zuschauern „die besten Videos“ in den Suchergebnissen und Empfehlungslisten präsentieren, um die Zuschauer möglichst lange auf der Plattform zu halten. Auch hier werden die Algorithmen ständig optimiert und es gibt jede Menge „Auswertmöglichkeiten“:

  • Wie lange schauen die Zuschauer das Video wirklich an ?
  • Von welchen Quellen kommen die Zuschauer ?
  • Wieviele „Mag ich“-Bewertungen hat das Video ?
  • Wieviele Kommentare hat das Video ?
  • Wieviel Abonnenten und Gesamt-Views hat der Kanal etc ?

In den „Insight-Daten“ im YouTube-Account sieht man, dass YouTube einige dieser Daten auch den Usern zur Verfügung stellt. Dort kann man sich unter „Hotspots“ einen Verlauf anschauen, der zeigt, wie schnell die User das Video im Vergleich zu anderen Videos mit ähnlicher Länge wieder verlassen haben – und nennt das „Publikumsbeachtung“. Mit Hilfe solcher Daten lassen sich „unrelevante Videos“ leicht erkennen.

3. Der Video-Launch:

Beim Video-Launch lohnt es sich, den maximalen Aufwand in die erste Stunde nach dem Upload zu investieren. Denn je mehr Views (von vielen unterschiedlichen IP-Adressen), inkl. Kommentaren und „mag ich“ man in der ersten Stunde erhält, desto leichter kommt man in die „Favouriten“ und „Meistgesehen“-Liste, die einem mit einem schönen Traffic-Boost belohnen können.
Im Idealfall hat man sich daher einen Launchplan zurechtgelegt, der sofort nach dem Upload der Datei (und sobald man die Video-URL in den Händen hält) abgearbeitet wird. Folgende Fragen könnten bei der Vorbereitung wichtig sein:

  • In welchen Themen-Relevanten Foren könnte das Video gut ankommen und wie kann man es dort clever platzieren ?
  • Wie kann ich meine eigenen Kontaktlisten (Newsletter-Listen, Facebook-, Twitter-Accounts) in den Video-Launch miteinbeziehen ?
  • Welche Blogger könnte das Video interessieren, und wie kann man diese für den Launch begeistern ?
  • Wie kann ich die Zuschauer/Freunde/Bekannte dazu bewegen, das Video zu kommentieren und mit einem „Mag ich“ zu bewerten ?

Hier ist nun etwas Kreativität und natürlich „Handwerks-Arbeit“ gefragt. Beim obigen Beispiel-Video habe ich in den ersten Stunden nach der Veröffentlichung des Videos folgendes gemacht:

  • In allen relevanten Gleitschirm-Foren einen Artikel zum Thema „Videoaufnahmen beim Gleitschirmfliegen“ gepostet.
  • In Videoforen für „Hobby-Filmer“ gibt es meist eine Rubrik, in der man eigene Videos veröffentlichen kann, um ein Feedback von den Zuschauern zu bekommen. So wurde das Video in nochmal 3-4 weiteren Foren veröffentlicht.
  • Dann habe ich einen Blogartikel mit dem Tutorial auf meiner Webseite veröffentlicht, wie das Video gedreht wurde.
  • Und meine Email-Liste mit knapp 3.500 Video-Produzenten und Videointeressierten angeschrieben, mit einem Link zum Blog-Artikel.

Das brachte dem Video gleich zu Beginn einen schönen Traffic-Boost ein und sorgte dafür, dass es recht schnell bei anderen beliebten Gleitschirm-Videos als Empfehlung auftauchte.

YouTube-Launch-Tests:

Wie effektiv solche geplanten YouTube-Launches sind, haben meine Tests gezeigt. D.h. es wurden identische Videos auf unterschiedliche (aber ungefähr gleich „starke“) Kanäle hochgeladen. Dabei wurde jeweils bei einem Video keine besonderen Aktionen/Optimierungen durchgeführt – sondern nur „normal“ hochgeladen. Bei dem anderen (identischen) Video wurde eine Keyword-Optimierung durchgeführt und in der ersten Stunde nach dem Upload einige Launchaktionen durchgeführt – danach aber nichts weiter. Hier ein Beispiel-Video:

Die View-Zahlen bei den Launch-Videos waren nach einigen Wochen teilweise bis zu 1.000% höher als bei einem „normalen“ Upload-Vorgang und waren auch wesentlich besser mit anderen Videos „vernetzt“. Das hat dann natürlich auch eine signifikante Auswirkung auf den weiteren Traffic-Verlauf. Wie man in der Grafik eines Beispiel-Videos sehen kann, ist nach der Launchphase bei beiden Videos ein „relativ konstanter“ Anstieg der View-Zahlen vorhanden. Allerdings hat das „gelaunchte“ Video (in roter Farbe) einen 500% höheren Anstieg der Viewzahlen als das „normale“ Video (in blauer Farbe).

Lohnt sich ein YouTube-Video wirklich zur Traffic-Generierung ?

Nach diesen Ausführungen kommen wir zurück zu der Frage: „Lohnt sich der Aufwand für ein YouTube-Video zur Trafficgenerierung wirklich ?“. Auch wenn das Beispiel-Video ein „Hobby-/Urlaubsprojekt“ ist, machen wir doch mal eine einfache Kalkulation, die ihr dann auf eigene kommerzielle Projekte übertragen könnt. Fassen wir zuerst mal den Aufwand für dieses Video zusammen.
Wenn wir so ein Projekt in Auftrag geben müßten oder einen unteren/mittleren Stundensatz berechnen würden, käme wohl folgendes dabei heraus:

  • Video: ~1.000.-€
  • Tutorial: ~200.-€
  • Launchvorbereitung/Durchführung: 500.-€

Also rund 1.700.-€. Schauen wir uns jetzt auf der anderen Seite an, wie man dieses Projekt monetarisieren könnte:

1.) Einnahmen als YouTube-Partner (Adsense):

Als YouTube-Partner werde ich an den Umsätzen der „Werbeanzeigen-Klicks“ meines Videos mitbeteiligt. Da man seine Einnahmen nicht veröffentlich darf, gebe ich hier mal einen „geschätzten“ Wert ab: Nehmen wir also mal an ;-), dass die Einnahmen eines YouTube-Partners zwischen 2-5€/1.000 Views liegen.
Und kalkulieren wir mal mit einem „mittleren Wert“ von 3,50€/1000 View , dann kommen wir (bei bisher 80.000 Views) auf 280.-€. Und bei monatlich (8-10.000 views) auf weitere 30.-€/Monat.

2.) Affiliate-Einnahmen für die GoPro-HD (über Amazon):

Da es in dem Video und dem Tutorial auch um die GoPro-HD – Kamera geht, die man über Amazon als Affiliate-bewerben kann, wird sich auch hier auch ein Partnerlink lohnen.

3.) Traffic auf die eigene (oder fremde Webseite):

Da das Video vor allem von Gleitschirm-Fliegern angeschaut wird, kann der Traffic natürlich auch anderweitig genutzt werden. z.B. könnte man das Tutorial auf einer Gleitschirm-Hersteller-Seite oder einem Webshop für Gleitschirmflieger unterbringen, die den Traffic wesentlich besser verwerten könnten. Nochmal zur Erinnerung, was an Traffic generiert wird:

  • Webseiten-Besucher: ~3.300 (nach 12 Monaten)
  • Webseiten-Besucher pro Monat: ~350…400

Wenn wir uns die Klickpreise für „Gleitschirm“ bei Google anschauen, erhalten wir Preise um die „0,79.-€ “ pro Klick. Angenommen wir könnten den Traffic für 1/4 der Kosten vermarkten (d.h. 20 ct./Klick), dann wären das bisher 660.-€ und monatlich weitere 80.-€. Falls man den Traffic nicht selbst nutzt, sollte man aber auch immer den zeitlichen Aufwand im Blick haben, den man hat, um den Traffic „zu vermarkten“.

Mein Fazit:

Wenn wir diese (exemplarischen) Zahlen von Aufwand zu Gewinn gegenüberstellen, sehen wir, dass man bei dieser Bewertung nach einem Jahr noch keinen „Return on Investment“ mit solch einem Video hätte. Und die 300-400 Besucher pro Monat, die auf die eigene Webseite gelenkt werden, sind auch nicht besonders viel (Wenn ich das jetzt mal mit einfachsten 1-Artikel-Keyword-Domains vergleiche, die wesentlich weniger Aufwand und viel mehr Traffic generieren, ist das fast schon erschreckend wenig) Je nach Nische und je nach dem, wie gut dieser Traffic konvertiert, kann sich so etwas aber auch durchaus lohnen.

Allerdings dient ein Video ja nicht nur als Traffic-Lieferant, sondern hat meist auch einen Image-Wert, kann die Verkaufprozesse verbessern, mehr Vertrauen bei den Besuchern aufbauen usw.

Mein Fazit ist daher: Wer eigene YouTube-Videos hauptsächlich als Traffic-Lieferant nutzen möchte, sollte genau kalkulieren. Vor der eigenen Videoproduktion würde ich daher immer einige „ähnliche Videos“ auf YouTube suchen, und dort erstmal „Adsense-Anzeigen“ schalten, um zu sehen wie gut der Traffic konvertiert. Oder man wendet sich direkt an Kanalbetreiber von erfolgreichen Videos, um „Kooperationen“ zu schließen. Und läßt sich von denen einige Links in die Video-Beschreibung einfügen.

Ich persönlich nütze YouTube-Videos nur selten als Traffic-Lieferant (kenne aber Personen, die das massiv und sehr erfolgreich nützen – aber das kommt auch stark auf die Nische drauf an). Viel interessanter finde ich Videos zur Conversion-Optimierung im Verkaufsprozess – und zum Aufbau von Vertrauen. Aber das ist vielleicht ein Thema für einen weiteren Gastartikel!