Marcus Tandler | Mediadonis | Just another Online-Marketing Superhero
 

Mehr Transparenz in der SEO Branche (?)

Dank PubCon, SES Berlin (schee wars!) bleiben grad einige Sachen bei mir liegen… eine herausgerissene Seite aus der InternetWorld Business liegt schon etwas länger bei mir rum – und zwar ein Kommentar von Jonas von der Münchner Online Marketing Agentur Webhelps. Ich halte recht viel von Jonas, nicht nur weil er mir von meinem Kumpel BanYouQuickly Kas als cooler Typ vorgestellt wurde, den er wiederum von seiner damaligen Tätigkeit beim Google´schen Search Quality Team kennt, sondern auch sonst – wirklich ein netter Kerl! Wenn Du ihn also demnächst mal irgendwo siehst – gib ihm ein Bier aus 🙂

Auf jeden Fall hat besagter Jonas den Artikel in Ausgabe 21/2009 „Die große SEO-Enttäuschung“ mit einem virtuellen Leserbrief kommentiert, und prangert dort Agenturen an, die aufgrund von Wettbewerbsvorteilen, die für ihre Kunden gebuildeten Links, nicht an ihre Kunden kommunizieren…

Genau mit diesen Methoden wird die SEO-Branche ihren „zwielichten“ Ruf nicht abschütteln können. Transparenz ist eine sehr wichtige Maßnahme, um den schlechten Erfahrungen mancher Betriebe hier entgegenzuwirken.

Und Jonas geht sogar noch weiter, und empfiehlt Kunden „ihre SEO Agentur vertraglich dazu zu verpflichten, eine Linkliste preiszugeben

Ich stimme Jonas in diesem Punkt absolut zu!

Mich nervt schon sehr lange, dass der Markt der SEO Agenturen immer intransparenter wird. Nicht nur, dass man von den meisten SEO-Agenturen und selbsternannten SEO Experten, die gerne vorgeben schon über 10 Jahre oder was-weiß-ich-wie-lang in diesem Business zu sein, noch nie irgendwas gehört oder gelesen hat (und ja, diese Branche ist EXTREM klein und überschaubar, und es gibt wirklich nur sehr wenige SEOs, die sich fernab von Foren und Blogs eher unterm Radar bewegen – aber selbst diese sind den meisten Branchen-Insidern bekannt). Aber das ist nicht das schlimme, sondern vielmehr die Tatsache, dass es viel zu viele SEO-Agenturen da draußen gibt, die einfach nen absolut beschissenen Job machen! Es scheint so, als wäre das Geschäftsmodell „SEO Agentur“ gerade deswegen so in Mode derzeit, da man sich hinter dem Deckmäntelchen der Verschwiegenheit verstecken, und immer wieder auf die Schwierigkeiten der „SEO Geheimwissenschaft“ berufen kann. Derzeit sprießen extrem viel neue SEO Agenturen aus dem Boden, die aber scheinbar nur aus einem SEO, 2 billigen Praktikanten und einem 20-köpfigen Callcenter bestehen, die wild Kaltaquise betreiben, und mit Billigmasche auf Kundenfang gehen… Das keine dieser SEO Agenturen noch solides SEO Handwerk bieten kann muss ich wohl nicht erwähnen. Und so behilft man sich dann halt diverser Zeit- & Kostensparender SEO-Techniken, vom nutzlosen Eintrag in Webkataloge und Artikel- und Bookmarkverzeichnisse, nervigem Kommentar-Spam in Blogs, bis hin zu billigen Linkpaketen auf Domains aus fernen Ländern.

Und da wundert sich noch jemand, wieso die SEO Branche einen zwielichten Ruf hat! Es liegt eben gerade nicht an BlackHats wie Fantomaster, die auch öffentlich auf SEO Panels (wie bspl. erst gerade wieder auf der SES Berlin) keinen Hehl um ihre Liebe zur dunklen Seite der Suchmaschinenoptimierung machen. Es liegt auch nicht an der No-Suit & etwas anarchigen Kultur der ja doch sehr jungen SEO-Szene, sondern an schleimigen Anzugträgern, die versuchen den deutschen Mittelstand mit bunten Flyern und abgedroschenen Phrasen in ihren Kundenstamm zu locken.

Unsere Kunden (also von meiner Firma CIA – Creativity in Action) bspl. erhalten jeden Monat eine Aufstellung der von uns für sie gebuildeten Links. Es gibt sogar eine extended Version, die bspl. den Ansprechpartner (und natürlich auch Vertragsmodalitäten, sofern es sich in irgendeiner Weise um einen „gekauften“ Link handelt – was ja ein recht weiter Begriff ist) beinhaltet, so dass der Kunde im Falle einer Vertragsauflösung (was bei uns *toitoitoi* noch nie vorgekommen ist) selber seine Links weiter managen kann. So kann der Kunde ganz genau sehen, was wir im vergangenen Monat für ihn getan haben, und verknüpft mit den wöchtlichen Ranking-Reports, wie diese Arbeit die entsprechenden Rankings beeinflusst hat. Gut, bei Social Media Aktionen gruppieren wir manchmal auch nur die Links, weil bei 1.000 bis 3.000 Links für bspl. ne Frontpage bei Digg, es einfach schwer wird alle gebuildeten Links mit ihren jeweiligen Eigenschaften in ein Spreadsheet zu hacken, aber wir zeigen bspl. die 100 wichtigsten Links an, die durch die Aktion generiert wurden.
Wir sind generell sehr transparent in unserer Arbeit mit Kunden, und sprechen eigentlich alles genau ab, und erörtern die entsprechenden Techniken, wenn´s mal etwas tricky´er sein muss 🙂

Gut, wieso führt man überhaupt eine Diskussion, ob eine SEO Agentur ihren Kunden, die von ihnen gebuildeten Links offenbart, immerhin könnte ja jeder Kunde selber via Yahoo Siteexplorer oder auch diverser Tools die Links herausfinden… Aber genau das passiert halt leider kaum, und die SEO-technisch nicht versierten Kunden werden bewußt dumm gehalten und sogar durch die Geheimnistuerei abgeschreckt.

Aber kein Wunder, wieso so manche SEO-Agentur nicht die gebuildeten Links offenbaren will – Comment-Spam in US-Blogs, Links auf thematisch total unrelevanten Domains, billig dahingeklatsche Artikel in Artikelverzeichnissen und bspl. massenhaft Links von russischen Seiten etc. etc. werfen halt nicht gerade ein gutes Licht auf die Arbeit der jeweiligen Agentur. Obwohl auch hier immer wieder die „SEO Geheimwissenschaft“ zitiert wird, mit dem Zusatz, dass SEO halt so funktionieren würde *BULLSHIT*

In jedem Bereich der klassischen Werbung wäre dies ja ein absolutes Unding – man stelle sich vor, dass der Marketingverantwortliche eines großen Unternehmens nicht wüßte, in welchen Printmagazinen bspl. seine Anzeigen erscheinen. Eine Media-Agentur, mit so einem Ansatz würde wohl kaum Kunden finden…

Was meint ihr – sollten SEO Agenturen ihren Kunden, die von ihnen gebuildeten Links offenbaren? Wie könnte man die SEO-Agenturlandschaft noch transparenter machen? Hierzu gleich vorweg -> ich halte nicht viel vom BVDW SEO Zertifikat, weil es für reine SEO Buden schwer ist einzelne Aufnahmekriterien zu erfüllen (bspl. der Handelsregistereintrag und das Honorarvolumen). Es sind ja in dieser Branche meist eher die Zwei-Mann-SEO-Buden, und nicht die großen Agenturen, die das beste SEO Handwerk an den Tag legen.
Die Grundidee eines unabhängigen (!) SEO Zertifikats finde ich sehr gut, aber mir ist bewußt, dass sich so etwas nur äußerst schwer realisieren lässt.

Der erste Ansatz wäre wohl ein aufgeklärter Kunde, denn nur ein aufgeklärter Kunde kann wirklich determinieren, ob ihm solides SEO Handwerk angeboten wird. Aber leider ist es dahin wohl noch ein weiter Weg, denn auch bekannte Fachzeitschriften bieten ihren Lesern teilweise nur SEO-Mythen verseuchte Essays, oder nicht nachrecherchierte Pressemitteilungen, die nicht wirklich dazu beitragen, den informationshungrigen Leser adäquat aufzuklären.

In diesem Zusammenhang will ich noch kurz meinen Vortrag „Wie arbeitet eine SEO-Agentur, und wie kann ich als Kunde deren Arbeit kontrollieren“ erwähnen, den ich diesen Sommer auf dem InternetWorld Kongress in München gehalten habe.