Andy hat vor nicht allzu langer Zeit einen extrem guten Post zum Thema “How to beat the Sandbox” gemacht. Nachdem ich und Friday das Thema in einer der nächsten seoFM Shows aufgreifen wollten, dachte ich, dass es durchaus Sinn machen würde mal meine Sicht der Dinge bzgl. Sandbox zu offenbaren.
Die erste Frage, die man berechtigterweise stellen muss lautet: “Gibt es die Sandbox überhaupt” ? Hier sage ich ganz klar: JA, es gibt eine Sandbox! Ich nenne die Sandbox aber (wie auch Andy) eher “Trustbox” – da sich das ganze Konzept eigentlich nur um den Trust einer Domain bei Google handelt -> sprich: “Spam oder nicht Spam – das ist hier die Frage” !
Google´s Problem liegt ja zumeist daran sehr schnell evaluieren zu müssen inwiefern eine bestimmte Seite eine valide Seite ist, die es verdient indexiert und gerankt zu werden – oder im Gegensatz einfach nur Spam bzw. eine Affiliate / MFA etc etc Seite ist, die in den SERPS keinerlei Beachtung finden sollte. Von demher macht es aus Google´s Sicht mehr als Sinn, neu gefundene Domains erstmal im Sandkasten spielen zu lassen bis bewiesen ist, dass es sich um eine valide Seite handelt – also bis Google der neuen Seite vertrauen schenkt (-> Trust is the key!)
Wie finde ich raus, ob meine Seite in der Sandbox ist?
Es gibt unterschiedliche Indikatoren wie zum Beispiel:
1) Die Seite wird nicht / sehr wenig gecrawlt
2) Die Seite ist nicht voll indexiert
3) Die Seite rankt nicht für die gewünschten Keywords, sondern lediglich für komische 3- oder 4-Wort Kombinationen
Hinsichtlich des Crawlings hat sich sogar schon Matt Cutts zu Wort gemeldet, so dass bestimmte Seiten nicht so häufig bzw. ausgiebig gecrawlt werden, sofern ein Grund zum Misstrauen besteht (Excessives Reziprokes Linkbuiliding, Links von / in spammy Linknetzwerke, gekaufte Links bzw. sogar das Verkaufen von Links… zu meiner Meinung bzgl. der genannten Faktoren komme ich gleich).
Mediadonis´ Tipps um aus dem Sandkasten zu entkommen:
1. Mach eine gute Seite!
Klingt einfach, ist es aber zumeist nicht. Mach Dir aber klar, dass die tausenste Kredit- oder Versicherungsvergleichsseite kein Schwein interessieren wird, und erst recht nicht Google! Wenn Du schon umbedingt in einem umkämpften Keyword-Umfeld mitspielen willst, dann mach etwas neues bzw. gar etwas einzigartiges. Beispiel gefällig? “Lasik Surgery” ist ein hartes und umkämpftes Keyword. Es gibt schon hunderte von Seiten, die Informationen zum Thema “Lasik” und Augenoperationen im Allgemeinen gesammelt und publiziert haben… so ziemlich immer der gleiche Content hundertfach umgeschrieben (oder auch nicht, aber jemand dem Duplicated Content nichts sagt, der sollte sowieso erstmal seine Hausaufgaben machen…). Die Herangehensweise muss also anders sein – und dann kam:
Lasik at Home
Totaler Schwachsinn – Augenoperationen selbst zu Hause durchführen -> aber die pseudowissenschaftliche Herangehensweise und die nette Idee verführte mehr als tausend Seitenbetreiber dazu auf die Seite zu linken (uh, mit dem Keyword im Anchor bzw. der URL -> nice!)
Jetzt rankt die Seite für umkämpfte Begriffe wie “Lasik” oder “Lasik Surgery” – und seit der Hype abgeebt ist finden sich nun auch AdSense Anzeigen auf der vormals werbefreien Seite – nice going!
Es gibt wirklich hunderte gute Beispiele für Seiten, die mit einem anderen Blickwinkel an eine umkämpfte Thematik herangegangen sind, und jetzt verdientermassen in der Top10 thronen. Ich sage nicht, dass man umbedingt witzig sein muss – manchmal genügt auch schon ein wirklich guter uniquer (!), und vor allem dem User hilfreicher Content um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.
2. Das Link-Grundpaket
Für mich gibt es in Deutschland nur einen Webkatalog, die es Wert sind, dass mein Link dort erscheint – das DMOZ. Klar, es dauert mitunter sehr lange, bis man dort aufgenommen wird, aber der Link ist es immer noch wert.
Für englische Seiten sieht die Sache ein wenig anders aus – hier muss jede Seite ins Yahoo Directory und ins Verzeichnis von Gregs Best of the Web. Schade, dass man in Deutschland so gut wie keine Chance mehr hat ins Yahoo Verzeichnis aufgenommen zu werden -> der Yahoo Link ist definitiv die mageren 299 Dollar wert!
In Deutschland lass ich evtl. noch Bellnet zu, aber JEDER weitere Webkatalog ist für mich ein absolutes NoGo! Wieso? Ich will Google so wenig wie möglich darüber erzählen, dass ich mich für SEO interessiere! Ihr lacht? Ihr denkt, ich sei Paranoid? Vielleicht bin ich das, aber ich denke mir, dass Google irgendwann mal auf die Idee kommen könnte SEOs mit einem kleinem Malus zu belegen. Wenn ich eine Handvoll Seiten habe, die für die Top10 bei einem bestimmten Begriff in Betracht gezogen werden könnten – dann würde ich doch mitunter diejenigen nehmen, die mit SEO nichts am Hut haben, denn die Seite des SEOs könnte ja vielleicht künstlich gepusht worden sein? Immerhin interessiert sich derjenige ja für SEO. Alle anderen Nicht-SEO Seiten haben Ihre Links bestimmt natürlich bekommen – aber die Seite vom SEO… mmhhh… ich weiß nicht… naja, lassen wir Ihn mal lieber aus der Top10 draußen.
Ich weiß, ich weiß – es klingt wirklich paranoid! Aber so what, ich optimiere auf Langlebigkeit -> und who knows, wie der Algo in ein paar Jahren aussehen wird. So lange sind alle anderen Webkataloge für mich einfach “not desirable neighbourhood” (in Abgrenzung zum “bad neighbourhood“)
Ebenfalls einer der Grundlinks für mich ist Wikipedia! Moment – die haben doch “nofollow”? Da sag ich nur “Na und?“. Wikipedia ist definitiv vertrauenswürdig in Google´s Augen, und auch Google weiß, dass Wikipedia editorial reviewed ist -> wenn also ein Link über eine längere Zeit in Wikipedia angezeigt wird, dann könnte das doch ein Indikator sein, dass der Inhalt valide ist, oder?
3. Get the Blogs talking about you!
Blogs und gerade die Links von Blogs sind definitiv Sandbox-Beater! Ich sage sogar, dass Blogs die einzig validen Links sind, die man in Massen aufbauen kann, ohne von Google abgestraft zu werden. Klar, wenn viele Blogs über etwas reden muss es doch valide sein, oder? Ich rede jetzt nicht von Blogspam, der wahrscheinlich gerade deswegen immer noch so hervorragend funktioniert…
Nehmen wir wieder die Lasik at Home Seite – unzählige Blogs haben die Seite damals verlinkt, einfach weil es lustig war! Die Seite ist sehr schnell in die Top10 geschossen, und seitdem NIE wieder abgesunken (Gerade dieses Beispiel habe ich seit der Entstehung gemonitored!).
Und wie schafft man es, dass die Blogger über einen schreiben?
Da gibt es nun wirklich manigfaltige Möglichkeiten:
- befreundete Blogger
- Social Bookmarking Dienste (Digg, Del.icio.us etc.)
- PR
- Artikel bei Golem / Heise / Spiegel etc. (Ganz davon abgesehen, dass diese Links alleine schon sehr hilfreich sind
Das Buzzword in diesem Zusammenhang ist definitiv “Link Baiting“! Also etwas schreiben, was andere Blogger widerum aufnehmen, diggen, social bookmarken etc. Tipps für Link-Baiting würde wohl zu weit führen, aber generell sind immer hilfreich:
- Top 10 / Top 100 Listen
- Kontroverse Posts
- “Ich bin verklagt worden” (Aufschrei in der Blogosphäre 
- eine umfangreiche Zusammenfassung eines bestimmten Themas
etc. etc.
Ein wichtiges Kriterium dabei ist Hype zu generieren bzw. im Hype mitzuschwimmen. Seiten zu einem Thema, dass derzeit in den Medien (und im Suchvolumen) präsent ist tendieren die Sandbox schneller schlagen zu können als Seiten zu den SEO-Klassikern (“kredit”, “poker”, “versicherungsvergleich” etc.). Wenn also bspl. “Vogelgrippe” im letzten Jahr 2x gesucht wurde, und auf einmal jeden Tag über 10.000 Suchanfragen bei Google gestartet werden, dann hat Google ein essentielles Interesse eine mitunter auch neue Seite (bspl. vogelgrippeinfos.de oder was auch immer) schneller zu ranken. Denn auch Google weiß, dass eine Seite zu diesem Thema vor dem jeweiligen Buzz mitunter garnicht existiert haben kann. Weitere Indikatoren für Google sind meiner Meinung nach:
- Präsenz des Themas in den Blogs
- General Authorities schreiben über das Thema (Spiegel / Focus etc.)
Die Königsklasse besteht darin aufkommende Trends für seine Zwecke zu missbrauchen utilarisieren. Die Entführung von Susanne Osthoff bspl. ist ein idealer Aufhänger für “Lösegeld Versicherungen” -> spinnt das mal ein wenig weiter…
4. Hol Dir weitere gute Links
Ein absolutes Must sind Links von Hubs des Themenbereichs Deiner Seite! Finde also die Hubs in dem thematischen Umfeld und versuche dort gelistet zu werden. Ich weiß, Hubs finden ist mitunter ein schwieriges Unterfangen, aber wenn´s manuell nicht weitergeht, dann versuch mal den Hubfinder oder auch den TouchGraph.
Dann geh die SERPS für Deine gewünschten Keywords durch, und suche nach Seiten, die nicht von SEOs, nicht hunderte Footerlinks, nicht nur aus AdSense oder Affiliate-Anzeigen bestehen und schreibe diese bzgl. eines Links an. Wenn Du eine gute Seite hast, werden sie vielleicht sogar kostenlos zu Dir linken – sonst braucht man gerade bei non-commercial Seiten mitunter nicht mal viel für den Link bezahlen, da Ihnen die Wertigkeit des Links evtl. nicht mal bewußt ist -> ideal!
5. Was sollte man vermeiden?
Eine neue Seite im Footer all Deiner anderen Seiten zu verlinken. Wenn Du schon umbedingt von Deinen anderen Seiten auf Dein neues Projekt linken willst, dann versuch es wenigstens themenaffin zu bewerkstelligen. Ein Link von Deiner Münzsammlungs-Seite auf Deine neue Versicherungsvergleich Seite ist so viel wert, wie eine tote Katze bei eBay. Wenn Du einen Blog hast, dann schreibe einen Post zum Thema Versicherungen und versuche Deinen neuen Blog dort einzubringen (“Ich muss mich privat krankenversichern, blicke aber im Versicherungsdjungel nicht mehr durch – meine Erfahrungen beim vergleichen von Versicherungstarifen gibts hier” oder so ähnlich…)
Des weiteren sollte man auf excessives reziprokes Verlinken verzichten! Vor allem diese “Suche PR6 – Thema egal” Sch***e! Wenn reziprok dann themenrelevant! Wie schon Matt Cutts meinte “Some folks that were doing a lot of reciprocal links might see less crawling.” – mehr muss man dazu nicht sagen, oder?
Ebenfalls ein Killer ist die konsequente Verwendung gewünschter Keywords in den Anchortexten. Es ist extrem unorganisch, wenn eine neue Seite nur mit Anchortext (“Kredit”) angelinkt wird! Lustig finde ich auch, wenn Leute eine neue Seite von Ihren schon etablierten Projekten auf der gleichen IP mit unterschiedlichen Keywords anlinken (“Kredit beantragen” / “Kredit online”) -> Google ist doch nicht doof! Wenn schon, dann auch mal totalen Mist verlinken (“zur Seite”) bzw. die URL (“www.beispiel.de”) gerade wenn der Link nicht themenaffin ist! Ein themenaffiner Anchor auf einer nicht-themenaffinen Seite ist doch mehr als ungewöhnlich, oder?
Ich kann Google verstehen, wenn sie einer neuen Seite, die nur aus dem Footer von 10 existierenden Projekten (die zudem vielleicht noch alle auf der selben IP liegen), ein paar thematisch nicht relevanten reziproken Links und 10 Links aus SEO- Webkatalogen nicht besonders viel Vertrauen entgegenbringen -> und das ist auch gut so!!
Niemand hat gesagt, dass das Spiel einfach ist – also tu nicht so, als wäre es so!